Jodocos de Vos (tätig 1700-1734)

Nach Entwürfen von Nicholas van Schoor und Peter Spierincx
Myrtillus und Amarillis
Brüssel, um 1710
Wolle und Seide, Maße: 306 x 546 cm

Die Tapisserie illustriert die Liebesgeschichte zwischen dem Hirten Myrtillus und der Nymphe Amarillis. Das Paar sitzt zu Füßen eines Obelisken umgeben von zahlreichen Gefährtinnen der Amarillis in einer detailreichen Landschaft. Ihre Geschichte wird in der Pastorale 'Il Pastor Fido' von Giovanni Battista Guarini (1538-1612) aus dem Jahre 1590 erzählt. Diese Schäferdichtung war eine beliebte Literaturgattung der europäischen Renaissance und des Barock und idealisiert das Hirtenleben. Ein beliebtes Thema ist der Bericht von einer spröden, abweisenden Geliebten, der ein Liebender gegenübersteht, der ihr völlig ausgeliefert ist, sich nach ihr verzehrt und leidet. Gefühle wie unerfüllte Liebe, Lobgesänge auf eine Schäferin, Wehmut in Anbetracht einer schöneren Vergangenheit oder einer verlorenen Heimat zählen zum typischen Gegenstand dieser künstlerischen Darstellung.

Bereits im 17. Jahrhundert wurden in Pariser Manufakturen Wandteppiche mit diesen Pastoralen geschaffen. Später entstanden in Brüsseler Werkstätten zahlreichen Teppichserien mit den Geschichten aus Il Pastor Fido. Die Wirk-Ensemble aus der Manufaktur des Judocos de Vos bestechen durch zwei verschiedenen Typen von goldfarbigen Rahmenbordüren. Vergleichbare Teppiche mit dem Liebespaar Myrtillius und Amarillis am Altar der Jagdgöttin Diana von Judocus de Vos befanden sich in der ehemaligen Sammlung von Kronprinz Ruprecht von Bayern (1869-1955) und im österreichischen Staatsbesitz.

Heinrich Göbel notiert 1923 in seinen Standardwerk zu europäischen Wandteppichen, dass die Entwürfe zu den Pastoralen im Auftrag von Daniel Stroobant, Lord von Ter-Brugge geschaffen wurden, der als „Teppichagent“ des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz bei Judocus de Vos einkaufte.

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